Klavierquintett von N. A. Rimsky Korsakow

Der russische Komponist Nikolai Rimski­Korsakow (1844–1908), der Jüngste des „Mächtigen Häufleins“ aus St. Petersburg, erhielt schon als Kind Klavierunterricht. 1862 ging er als Seeoffizier zur See. Auf hoher See, beeindruckt von einer Begegnung mit Mili Balakirew vor der Abreise, komponierte er seine erste Sinfonie. 1871 wurde er Lehrer für Komposition und Instrumentation am Konservatorium St. Petersburg, wo er u. a. Glasunow, Respighi, Prokofjew und Strawinsky unterrichtet hatte. Rimski­ Korsakow ist vor allem für seine 15 Opern (darunter Das Märchen vom Zaren Saltan und Der goldene Hahn) und zahlreiche Orchesterwerke bekannt, und so wirkt eine Aufführung seines Quintetts in B-Dur für Flöte, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier aus dem Jahr 1876 wie eine Neuentdeckung. Es war einer seiner beiden Beiträge für einen Kompositionswettbewerb für Kammermusik der Russischen Gesellschaft für Musik und gleicht formal den Quintetten von Mozart und Beethoven, nur wurde deren Oboe durch eine Flöte ersetzt. Rimski­ Korsakow bestätigte auch ohne weiteres den Einfluss Beethovens im 1. Satz des Quintetts. Schon die Satzbezeichnung, Allegro con brio, ist typisch für den jungen Beethoven, auffallender ist aber noch die Ähnlichkeit mit Themen aus dem Finale von Beethovens 9. Symphonie. In der schwungvollen Einleitung singen die Bläser über einer regelmäßigen Klavierbegleitung. Darauf folgt ein Choral für Bläser und eine schnelle Coda. Im Andante ertönt zunächst das Thema im Hornsolo, das nach und nach von den übrigen Blä­sern aufgegriffen wird. Im Mittelteil nimmt der Komponist das Eingangsthema in Form einer Fuge wieder auf, und es folgt ein ruhiger Schluss. Der letzte Satz ist ein Rondo, das mit einem heiteren 3/8­Takt und den verspielten Oktaven des Fagotts beginnt, über denen die Klarinette das Hauptthema (ein „Ohrwurm“, der einem nicht mehr aus dem Sinn geht) ankündigt. Als Überraschung spielt dann das Klavier eine lange Solopassage, und schließlich folgen Kadenzen für das Horn, die Flöte, die Klarinette und das Klavier. Bald jedoch kehrt das unausweichliche Eingangsthema lebhaft und freudig begrüßt zurück und die Coda, noch lebhaft er, führt zu einem schallenden B-­Dur­ Schluss.